Freitag, 11. Mai 2007

Sehnsucht der Mythen (Kapitel 8.2)

In seinem Abschnitt "Die großen Bilder des Johannes-Evangeliums - Das Brot" geht Benedikt auf die Bekehrung des englischen Schriftstellers C. S. Lewis ein. Lewis hatte sich intensiv mit der Entstehung von Mythen beschäftigt und in der Folge die Jesusworte "Das ist mein Leib" entsprechend mythologisch gedeutet. Hier sprach ganz offensichtlich ein weiterer Korn-König. Nun hörte er eines Tages einen Atheisten sagen, daß die Beweise für die Geschichtlichkeit der Evangelien überraschend gut seien. Und ihm kam der Gedanke: "Sonderbare Sache. Das ganze Zeug vom sterbenden Gott - es sieht so aus, als habe es sich einmal wirklich ereignet".

Ja, sagt Benedikt, es gibt lange vor Jesus den Mythos vom Brot als Bild eines göttlichen Sterbens und Wiederauferstehens. Aber das bedeutet nicht (muß man still ergänzen, Benedikt sagt es erst gar nicht), daß ein eher profanes Geschehen um Jesus später mythologisch umgedeutet und überhöht wurde, sondern im Gegenteil: daß die Sehnsucht der Mythen darauf ausgerichtet war, ihren Grundgedanken eines Tages Wirklichkeit werden zu sehen - in Jesus.

"Das Passionsgeheimnis des Brotes hat gleichsam auf ihn gewartet, sich auf ihn ausgestreckt, und die Mythen haben auf ihn gewartet, in dem das Ersehnte Wirklichkeit geworden ist." (Seite 317)

Wieder wird deutlich, ähnlich wie bei der Deutung des Weinwunders in der Hochzeit zu Kana, wie konsequent Benedikt daran glaubt, daß sich in Jesus göttlicher Wille in reale historische Fakten umgewandelt hat. Die Welt hat auf Jesus gewartet, sie hat ihn in ihren Mythen bereits geahnt. Nun ist er da, und uns bleibt nur, ihn als Gottes Wort an uns anzunehmen.