Mit dem Abschnitt über die Verklärung Jesu (Seite 353 ff.) kommt das Buch an das Ende des Zeitabschnittes, den es betrachten will, ein zweiter Band mit dem Weg von Verklärung zu Kreuz und Auferstehung soll ja folgen. Es schließt sich zwar noch ein zehntes Kapitel über die Selbstaussagen Jesu, dann ist dieses Buch aber, mit seinen 407 Seiten und weiteren 40 Seiten Anhang, zu Ende.
Schon jetzt fragt man sich, was nach dem Lesen dieses Buches sein wird. Möglicherweise ist die Antwort: eine Lebensentscheidung. Diese Entscheidung könnte in die Richtung gehen, ob man bereit ist, in gleicher Weise zu glauben, schlicht und über viele moderne Zweifel erhaben, wie dieser kluge und doch in vielem so kindlich gläubige "Prof. Dr. Papst ".
Er hat schon in den früheren Kapiteln damit überrascht, wie viele Dinge er für Realität hält, die seine Kollegen von der modernen Wissenschaft in Zweifel gezogen haben. Er hat das oft sehr überzeugend getan und sich dabei gerade der besten Mittel dieser Wissenschaft bedient, um damit deren ureigene Skepsis zu widerlegen. Nun muß sich anhand eines äußerst wundersam Geschehens, der Verklärung Jesu, erweisen, ob die Überzeugungsarbeit Benedikts auch dann noch trägt, wenn jetzt übernatürliche Dinge geschehen, Mose und Elia erscheinen, die Kleidung Jesu zu leuchten beginnt.
Hier hilft kein "warum kann es nicht gerade so gewesen sein, wie die Evangelisten es schildern?". Hier müssen andere Deutungszusammenhänge erschlossen werden, und Benedikt gewinnt sie jetzt mehr und mehr aus der Überzeugung, daß die großen Feste des jüdischen Volkes eine prophetische Dimension haben, die wie das "Warten der Mythen" sich danach sehnend ausstreckt, eines Tages Realität zu werden.
Das Vorbild für die Verklärungsgeschichte ist sukkot, das Laubhüttenfest, dessen Sinn sich jetzt in Jesu Erscheinen real erfüllt, indem das Wort Fleisch wird und "unter uns wohnt", seine Hütte bei uns nimmt. Im Zusammenhang mit der Festtradition erscheinen die Geschehnisse auf dem Berg der Verklärung auf einen neue Weise als sinnvoll, auch das oft als Unverständnis gedeutete Petrus-Wort "laßt uns Hütten bauen" wirkt jetzt richtig und angemessen.
Vielleicht ist das eine besondere katholische Lektion, die man hier lernen muß: wenn man die großen kultischen Feiern nur oft genug wiederholt, dann lernt man das innere Geschehen nach und nach so zu begreifen, daß es einen Bezug zur Realität bekommt. Und hier scheiden sich die Wege: der moderne Skeptiker sieht bestenfalls, daß die Realität aus dem Kult heraus "beschworen" wird, der moderne Gläubige sagt dagegen, daß er die wundersame Realität sieht und sie versteht - und daß er sie deshalb versteht, weil ihn die Feiern darauf vorbereitet haben.
Montag, 14. Mai 2007
Sonntag, 13. Mai 2007
Pilgern in das Wort hinein (Kapitel 9)
In allen vier Evangelien ist das "Bekenntnis des Petrus" überliefert. In ihm bezeichnet er Jesus als den Messias, in deutlichem Unterschied zu den anderen Zuhörern, die ihn als einen Propheten, etwa Elia, ansehen . Die moderne Bibelwissenschaft hat besonders an dieser Stelle ihre Theorie von den "nachösterlichen" Erkenntnissen der Jünger und damit der christlichen Gemeinde festgemacht. Sie hätten Jesus zu Lebzeiten eben nicht als den Messias erkannt und die spätere Erkenntnis dem Petrus in den Mund gelegt.
Für diese Theorie spricht, daß die vier Evangelien das Bekenntnis des Petrus in jeweils unterschiedlicher Form überliefern. Benedikt hat dagegen von Anfang an deutlich gemacht, daß eines der wichtigsten Anliegen dieses Buches ist, gerade diese Theorie zu widerlegen. Das versucht er natürlich auch in diesem Kapitel.
Anders als in den vorherigen Kapiteln hat sich Benedikt hier aber damit auseinanderzusetzen, daß es eben diese unterschiedliche Form der Bekenntnisse gibt. Er legt seine Interpretation auf eine mich überzeugende und auch sprachlich sehr schöne Weise dar. Die Jünger hätten, sagt er, in ihrer Erkenntnis, daß in Jesus Gott vor ihnen stand, auf Worte des Alten Testamentes zurückgegriffen haben, sie aber nicht "zu einer fertigen Antwort zusammensetzen" können (Seite 351).
Auch nach Ostern wird dieses Bekenntnis zu keiner fertigen Antwort. Der Zweifler Thomas darf seine Hände in die Wundmale des Auferstandenen legen, um dann mit dem Wort zu bekennen "mein Herr und mein Gott" (Johannes 20,28). Aber auch mit einem Wort wie diesem, sagt Benedikt, "bleiben wir immer unterwegs".
Dieses Wort "ist so groß, dass wir es nie fertig erfasst haben, und es bleibt uns immer voraus. Ihre ganze Geschichte hindurch pilgert die Kirche immer neu in dieses Wort hinein, das uns nur in der Berührung mit den Wunden Jesu und in der Begegnung mit seiner Auferstehung fassbar werden kann und uns dann zur Sendung wird." (Seite 352)
Übrigens wird in diesem Kapitel an keiner Stelle darüber gesprochen, daß einer der Jünger durch sein erkennendes Bekenntnis die Qualifikation erlangt hätte, später einmal Oberhaupt der anderen zu werden. Die "Papstfrage" ist in diesem Buch auf eigenartige Weise abwesend. In Benedikts Kirche sind alle Gläubigen aufgerufen, das zu verstehen, zu bekennen und zu leben, was einem Jünger in der Nachfolge Christi aufgetragen ist.
Für diese Theorie spricht, daß die vier Evangelien das Bekenntnis des Petrus in jeweils unterschiedlicher Form überliefern. Benedikt hat dagegen von Anfang an deutlich gemacht, daß eines der wichtigsten Anliegen dieses Buches ist, gerade diese Theorie zu widerlegen. Das versucht er natürlich auch in diesem Kapitel.
Anders als in den vorherigen Kapiteln hat sich Benedikt hier aber damit auseinanderzusetzen, daß es eben diese unterschiedliche Form der Bekenntnisse gibt. Er legt seine Interpretation auf eine mich überzeugende und auch sprachlich sehr schöne Weise dar. Die Jünger hätten, sagt er, in ihrer Erkenntnis, daß in Jesus Gott vor ihnen stand, auf Worte des Alten Testamentes zurückgegriffen haben, sie aber nicht "zu einer fertigen Antwort zusammensetzen" können (Seite 351).
Auch nach Ostern wird dieses Bekenntnis zu keiner fertigen Antwort. Der Zweifler Thomas darf seine Hände in die Wundmale des Auferstandenen legen, um dann mit dem Wort zu bekennen "mein Herr und mein Gott" (Johannes 20,28). Aber auch mit einem Wort wie diesem, sagt Benedikt, "bleiben wir immer unterwegs".
Dieses Wort "ist so groß, dass wir es nie fertig erfasst haben, und es bleibt uns immer voraus. Ihre ganze Geschichte hindurch pilgert die Kirche immer neu in dieses Wort hinein, das uns nur in der Berührung mit den Wunden Jesu und in der Begegnung mit seiner Auferstehung fassbar werden kann und uns dann zur Sendung wird." (Seite 352)
Übrigens wird in diesem Kapitel an keiner Stelle darüber gesprochen, daß einer der Jünger durch sein erkennendes Bekenntnis die Qualifikation erlangt hätte, später einmal Oberhaupt der anderen zu werden. Die "Papstfrage" ist in diesem Buch auf eigenartige Weise abwesend. In Benedikts Kirche sind alle Gläubigen aufgerufen, das zu verstehen, zu bekennen und zu leben, was einem Jünger in der Nachfolge Christi aufgetragen ist.
Samstag, 12. Mai 2007
Die Tür zu den Schafen (Kapitel 8.3)
Manchmal lese ich meiner Frau spontan eine Passage aus dem Buch vor, wenn mich etwa - wie heute - die Deutung, die Benedikt einem bestimmten Bibelwort gibt, überrascht und überzeugt hat. Ich las in dem Abschnitt "Die großen Bilder des Johannes-Evangeliums - Der Hirte" die Erklärung, warum Jesus seine Rede vom Guten Hirten rätselhafterweise damit beginnt, sich selbst als "die Tür zu den Schafen" zu bezeichnen (Johannes 10,7, im Buch dazu: Seite 321). Benedikt erläutert dieses Wort auf eine für mich neue, aber sofort überzeugende Weise.
Er sagt: Jesus hat zuvor (Johannes 10,1) vor den falschen Hirten gewarnt, die nicht durch die Tür in den Stall der Schafe gehen, sondern anderswo einsteigen. Dies ist, so Benedikt, auf spätere Hirten hin zu deuten, die in der Zeit nach Jesus die Herde der Schafe möglicherweise auch in Zeiten schlecht weiden werden.
Die guten Hirten dagegen sollen sich später daran erweisen, daß sie "durch Jesus hindurch" als der Tür zu den Schafen gegangen sind. Am besten tun sie das wie ihr Vorbild Petrus, der in Bezug auf die Liebe zu Jesus der bekannten Prüfung von Johannes 21 unterzogen wird. Dreimal muß er die Frage beantworten "Hast du mich lieb?", damit seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt werden, die Weisung auszuführen "Weide meine Schafe!"
Auch seine Nachfolger, und Benedikt meint damit sicherlich nicht nur die Päpste, müssen sich immer wieder fragen lassen, ob sie ihr Hirtenamt so ausrichten, daß ihre Stimme die Stimme Jesu wird. Für einen guten Hirten wird gelten: "weil er in der Liebe mit Jesus geeint kommt, darum hören die Schafe auf seine Stimme, die Stimme Jesu selbst" (Seite 322).
Beim Nachlesen von Johannes 10 merke ich später, daß sich einige Verse in diesem Kapitel der Deutung von Benedikt ein wenig widersetzen. Und trotzdem bleibt der Eindruck, daß Benedikt zielsicher auf den Kern der Rede zugeht und sie für mich überzeugend erklärt, indem er den Bogen zu anderen Stellen der Bibel schlägt.
Er erklärt die Bibel so, wie es auch meine theologisch vielfach ungebildeten pietistischen Vorfahren gerne getan haben. Sie lehrten schlicht: die Bibel erklärt sich durch die Bibel.
Er sagt: Jesus hat zuvor (Johannes 10,1) vor den falschen Hirten gewarnt, die nicht durch die Tür in den Stall der Schafe gehen, sondern anderswo einsteigen. Dies ist, so Benedikt, auf spätere Hirten hin zu deuten, die in der Zeit nach Jesus die Herde der Schafe möglicherweise auch in Zeiten schlecht weiden werden.
Die guten Hirten dagegen sollen sich später daran erweisen, daß sie "durch Jesus hindurch" als der Tür zu den Schafen gegangen sind. Am besten tun sie das wie ihr Vorbild Petrus, der in Bezug auf die Liebe zu Jesus der bekannten Prüfung von Johannes 21 unterzogen wird. Dreimal muß er die Frage beantworten "Hast du mich lieb?", damit seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt werden, die Weisung auszuführen "Weide meine Schafe!"
Auch seine Nachfolger, und Benedikt meint damit sicherlich nicht nur die Päpste, müssen sich immer wieder fragen lassen, ob sie ihr Hirtenamt so ausrichten, daß ihre Stimme die Stimme Jesu wird. Für einen guten Hirten wird gelten: "weil er in der Liebe mit Jesus geeint kommt, darum hören die Schafe auf seine Stimme, die Stimme Jesu selbst" (Seite 322).
Beim Nachlesen von Johannes 10 merke ich später, daß sich einige Verse in diesem Kapitel der Deutung von Benedikt ein wenig widersetzen. Und trotzdem bleibt der Eindruck, daß Benedikt zielsicher auf den Kern der Rede zugeht und sie für mich überzeugend erklärt, indem er den Bogen zu anderen Stellen der Bibel schlägt.
Er erklärt die Bibel so, wie es auch meine theologisch vielfach ungebildeten pietistischen Vorfahren gerne getan haben. Sie lehrten schlicht: die Bibel erklärt sich durch die Bibel.
Freitag, 11. Mai 2007
Sehnsucht der Mythen (Kapitel 8.2)
In seinem Abschnitt "Die großen Bilder des Johannes-Evangeliums - Das Brot" geht Benedikt auf die Bekehrung des englischen Schriftstellers C. S. Lewis ein. Lewis hatte sich intensiv mit der Entstehung von Mythen beschäftigt und in der Folge die Jesusworte "Das ist mein Leib" entsprechend mythologisch gedeutet. Hier sprach ganz offensichtlich ein weiterer Korn-König. Nun hörte er eines Tages einen Atheisten sagen, daß die Beweise für die Geschichtlichkeit der Evangelien überraschend gut seien. Und ihm kam der Gedanke: "Sonderbare Sache. Das ganze Zeug vom sterbenden Gott - es sieht so aus, als habe es sich einmal wirklich ereignet".
Ja, sagt Benedikt, es gibt lange vor Jesus den Mythos vom Brot als Bild eines göttlichen Sterbens und Wiederauferstehens. Aber das bedeutet nicht (muß man still ergänzen, Benedikt sagt es erst gar nicht), daß ein eher profanes Geschehen um Jesus später mythologisch umgedeutet und überhöht wurde, sondern im Gegenteil: daß die Sehnsucht der Mythen darauf ausgerichtet war, ihren Grundgedanken eines Tages Wirklichkeit werden zu sehen - in Jesus.
"Das Passionsgeheimnis des Brotes hat gleichsam auf ihn gewartet, sich auf ihn ausgestreckt, und die Mythen haben auf ihn gewartet, in dem das Ersehnte Wirklichkeit geworden ist." (Seite 317)
Wieder wird deutlich, ähnlich wie bei der Deutung des Weinwunders in der Hochzeit zu Kana, wie konsequent Benedikt daran glaubt, daß sich in Jesus göttlicher Wille in reale historische Fakten umgewandelt hat. Die Welt hat auf Jesus gewartet, sie hat ihn in ihren Mythen bereits geahnt. Nun ist er da, und uns bleibt nur, ihn als Gottes Wort an uns anzunehmen.
Ja, sagt Benedikt, es gibt lange vor Jesus den Mythos vom Brot als Bild eines göttlichen Sterbens und Wiederauferstehens. Aber das bedeutet nicht (muß man still ergänzen, Benedikt sagt es erst gar nicht), daß ein eher profanes Geschehen um Jesus später mythologisch umgedeutet und überhöht wurde, sondern im Gegenteil: daß die Sehnsucht der Mythen darauf ausgerichtet war, ihren Grundgedanken eines Tages Wirklichkeit werden zu sehen - in Jesus.
"Das Passionsgeheimnis des Brotes hat gleichsam auf ihn gewartet, sich auf ihn ausgestreckt, und die Mythen haben auf ihn gewartet, in dem das Ersehnte Wirklichkeit geworden ist." (Seite 317)
Wieder wird deutlich, ähnlich wie bei der Deutung des Weinwunders in der Hochzeit zu Kana, wie konsequent Benedikt daran glaubt, daß sich in Jesus göttlicher Wille in reale historische Fakten umgewandelt hat. Die Welt hat auf Jesus gewartet, sie hat ihn in ihren Mythen bereits geahnt. Nun ist er da, und uns bleibt nur, ihn als Gottes Wort an uns anzunehmen.
Donnerstag, 10. Mai 2007
Willkommene Unterbrechung
Vorgestern und gestern habe ich wenig im Jesus-Buch lesen können. Ich war auf einem Forum für Bibelübersetzung, zusammen mit Protestanten, Katholiken, Freikirchlern der unterschiedlichsten Richtung - vielen Leuten, die auf eine für mich bisher nicht vorstellbare freie und schöne Art über ihr gemeinsames Interesse an der Bibel vereint waren. Die Tagung stand auch interessierten Laien offen, als ein solcher habe ich teilgenommen.
Ich habe auch hierzu etwas für den Blog geschrieben, möchte es aber nur an diejenigen herausgeben, die sich bei mir diesbezüglich persönlich melden (runkel@runkel.de). Die Veranstaltung ist eine zarte Pflanze, und nicht alle Teilnehmer möchten GOOGLE* verraten, mit wem sie alles an einem Tisch gesessen haben.
*oder genauer: ihren Vorgesetzen daheim. Ich las in diesen Tagen etwas von Woody Allen, das die Spannung zwischen Glauben und Kontrolle in eine witzige Wendung bringt: "I believe there is something out there watching us. Unfortunately, it's the government."
Ich habe auch hierzu etwas für den Blog geschrieben, möchte es aber nur an diejenigen herausgeben, die sich bei mir diesbezüglich persönlich melden (runkel@runkel.de). Die Veranstaltung ist eine zarte Pflanze, und nicht alle Teilnehmer möchten GOOGLE* verraten, mit wem sie alles an einem Tisch gesessen haben.
*oder genauer: ihren Vorgesetzen daheim. Ich las in diesen Tagen etwas von Woody Allen, das die Spannung zwischen Glauben und Kontrolle in eine witzige Wendung bringt: "I believe there is something out there watching us. Unfortunately, it's the government."
Mittwoch, 9. Mai 2007
Am dritten Tag war einer Hochzeit (Kapitel 8.1)
Im Abschnitt "Die großen Bilder des Johannes-Evangeliums - Weinstock und Wein", verrät Benedikt in einem winzigen Detail, wie anderes er die Bibel liest als - ich behaupte es einmal pauschal - die meisten seiner evangelischen Theologenkollegen. Es wird in diesem Abschnitt über die Hochzeit zu Kana berichtet und über den, so Benedikt, scheinbaren Widersinn, "dass Jesus für ein privates Fest eine Überfülle von Wein - etwa 520 Liter - schafft." (Seite 293)
Benedikt ist an der Auslegung der ersten, unbedeutend scheinenden drei Worte interessiert: "Am dritten Tag...". Er erinnert daran, daß der dritte Tag das "Datum der Theophanie" ist, blickt zurück auf den dritten Tag, an dem Gott am Sinai erscheint (2. Mose 13) und blickt voraus auf den dritten Tag, an dem Jesus von den Toten aufersteht. Daß dieser dritte Tag der Hochzeit ebenfalls eine wichtige Gotteserscheinung mit sich bringt und deshalb eben viel mehr enthält als die wundersame Überversorgung einer Hochzeitsgesellschaft mit Wein, wird in der späteren Auslegung klar.
Es verwundert, daß er nicht danach fragt, ob diese sicherlich für moderne Ohren recht sakral wirkende Datierung nicht den tatsächlichen Verlauf der Geschichte ein wenig verbiegt - ein Gedanke, den die wenige Seiten zuvor von ihm kritisierten Theologen Hengel und Broer als allgemeinen Verdacht dem Johannes-Evangelium gegenüber geäußert hatten. Und eben diese Unbefangenheit unterscheidet ihn sicherlich von den typischen Vertretern der historisch-kritischen Schule, die er ansonsten immer sehr lobt.
Warum glaubt er, anders als seine Kollegen, solchen frommen Datierungen, ohne ein Fragezeichen daran zu machen? Ich kann es nicht genau beschreiben und nehme an, daß erst die Summe des Buches eine Antwort auf diese Frage geben wird. Ich vermute, daß es in etwa darauf hinauslaufen wird, daß ihm das große Wunder des Eingreifens Gottes in die Geschichte beständig vor Augen steht, und daß ihm solche vergleichsweise kleinen Wunder, wie das Eintreten eines bestimmten Ereignisses just an dem Tag, wo es sich der alten Symbolik entsprechend einstellen muß, ohne weiteres glaubwürdig erscheinen.
Ein weiterer Grund für seine "Wundergläubigkeit" besteht vielleicht darin, daß er den Optimismus der klassischen historischen Kritik nicht mehr teilt, wonach sich die historische Wahrheit durch intensives Forschen eines Tages aufzeigen lassen wird. Vielleicht sollte man heute diesen Optimismus aufgeben und einfach sagen: niemand weiß, wie es damals exakt gewesen ist.
Und warum sollte es dann wiederum nicht erlaubt sein, anzunehmen, daß sich die Geschehnisse bisweilen tatsächlich auf wundersame Weise ergeben haben?
Benedikt ist an der Auslegung der ersten, unbedeutend scheinenden drei Worte interessiert: "Am dritten Tag...". Er erinnert daran, daß der dritte Tag das "Datum der Theophanie" ist, blickt zurück auf den dritten Tag, an dem Gott am Sinai erscheint (2. Mose 13) und blickt voraus auf den dritten Tag, an dem Jesus von den Toten aufersteht. Daß dieser dritte Tag der Hochzeit ebenfalls eine wichtige Gotteserscheinung mit sich bringt und deshalb eben viel mehr enthält als die wundersame Überversorgung einer Hochzeitsgesellschaft mit Wein, wird in der späteren Auslegung klar.
Es verwundert, daß er nicht danach fragt, ob diese sicherlich für moderne Ohren recht sakral wirkende Datierung nicht den tatsächlichen Verlauf der Geschichte ein wenig verbiegt - ein Gedanke, den die wenige Seiten zuvor von ihm kritisierten Theologen Hengel und Broer als allgemeinen Verdacht dem Johannes-Evangelium gegenüber geäußert hatten. Und eben diese Unbefangenheit unterscheidet ihn sicherlich von den typischen Vertretern der historisch-kritischen Schule, die er ansonsten immer sehr lobt.
Warum glaubt er, anders als seine Kollegen, solchen frommen Datierungen, ohne ein Fragezeichen daran zu machen? Ich kann es nicht genau beschreiben und nehme an, daß erst die Summe des Buches eine Antwort auf diese Frage geben wird. Ich vermute, daß es in etwa darauf hinauslaufen wird, daß ihm das große Wunder des Eingreifens Gottes in die Geschichte beständig vor Augen steht, und daß ihm solche vergleichsweise kleinen Wunder, wie das Eintreten eines bestimmten Ereignisses just an dem Tag, wo es sich der alten Symbolik entsprechend einstellen muß, ohne weiteres glaubwürdig erscheinen.
Ein weiterer Grund für seine "Wundergläubigkeit" besteht vielleicht darin, daß er den Optimismus der klassischen historischen Kritik nicht mehr teilt, wonach sich die historische Wahrheit durch intensives Forschen eines Tages aufzeigen lassen wird. Vielleicht sollte man heute diesen Optimismus aufgeben und einfach sagen: niemand weiß, wie es damals exakt gewesen ist.
Und warum sollte es dann wiederum nicht erlaubt sein, anzunehmen, daß sich die Geschehnisse bisweilen tatsächlich auf wundersame Weise ergeben haben?
Dienstag, 8. Mai 2007
Korrekturen des Direktors (Kapitel 8)
Wenn Bendikt sich im achten Kapitel dem Johannes-Evangelium zuwendet, dann erweist er sich erneut als der Universitätslehrer, der viele Jahre mit Kollegen in der ganzen Welt gemeinsam geforscht hat und die wichtigsten Veröffentlichungen der letzten Zeit kennt. Er hat das engagierte Gespräch mit seinen Kollegen offenbar nie ganz aufgegeben. Deshalb kann er jetzt in einer wichtigen Passage gewissermaßen eine Zeit lang seinem Tübinger Kollegen Martin Hengel mit zustimmendem Interesse über die Schulter schauen, um ihm dann ganz zum Schluß die Papiere doch mit gelinder Kritik aus der Hand zu nehmen, sie eigenhändig zu bearbeiten und ihm dann ein wenig anders geordnet zurückzugeben.
Hengel hat fünf Quellen für den Bericht des Johannes ausgemacht, und Bendikt stimmt ihm darin zunächst einmal zu: der theologische Gestaltungswille des Autors, seine persönliche Erinnerung, die kirchliche Tradition, die geschichtliche Wirklichkeit und schließlich die Leitung des Geistes. Nun ist Hengel aber kritisch gegenüber der geschichtlichen Wirklichkeit, wie sie Johannes darstellt, und fragt, ob der Evangelist diese Wirklichkeit nicht doch zu Gunsten einer Deutung durch den Geist ein wenig umgeschrieben hat. Nein, sagt Benedikt, so ist es nicht. Diese fünf Quellen sind zwar richtig dargestellt, aber gerade was eine spätere Deutung der geschichtlichen Wirklichkeit (d) durch kirchliche Tradition (c) oder durch die Wirkung des Geistes (e) betrifft, so ist der Weg dazu klar und logisch und verfälscht die geschichtliche Wirklichkeit nicht. Es findet sich hierzu in den Evangelien mehrfach das Erlebnis der deutenden und verstehenden Erinnerung. Sie ordnet und erklärt das Erlebte, ohne es in seinem historischen Wahrheitsgehalt anzurühren.
Benedikt kann den Vorgang dieser verstehenden Erinnerung sehr lebendig und glaubwürdig schildern. Man liest diese Erklärungen aus berufenem Munde gerne, weil sie die immer doch auch als schmerzhaft empfundenen Zweifel der moderneren Theologie an den Berichten der vier Evangelisten relativiert. Ein starker Gestaltungswille im Kopf und Herzen des Berichterstatters muß nicht zwangsläufig dazu führen, daß er seinen Bericht im Widerspruch zur erlebten Wirklichkeit verfaßt.
Benedikt bewegt sich auf dem Boden der modernen Forschung. Er spricht ihre Sprache und kennt ihre Methoden. Aber er folgt ihr nicht in allen Punkten. Im Gegenteil, er greift in ihre Arbeiten mit der Souveränität eines Direktors ein, der einfach nur ein Stückchen weiter sieht als die Damen und Herren seiner nächsten Führungsebene und deren Vorlagen mit wenigen Strichen so korrigiert, daß am Ende ein besseres, ein stimmiges Ergebnis herauskommt. Er ist zwar besonders den evangelischen Kollegen gegenüber natürlich nicht weisungsbefugt, und trotzdem wirkt er an manchen Stellen wie ein Chef bei der Arbeit.
Schön ist sein Hinweis auf den "liturgischen Charakter" des Johannes-Evangeliums. Seine wichtigsten Ereignisse sind an die hohen jüdischen Festtage angebunden, sagt Benedikt, teils indem sie sich an einem von diesen Festtagen ereignen, teils - wie beim Hohenpriesterlichen Gebet in Johannes 17 - indem sie innerlich mit einem Fest (hier dem Versöhnungsfest Yom Kippur) verwandt sind.
Hengel hat fünf Quellen für den Bericht des Johannes ausgemacht, und Bendikt stimmt ihm darin zunächst einmal zu: der theologische Gestaltungswille des Autors, seine persönliche Erinnerung, die kirchliche Tradition, die geschichtliche Wirklichkeit und schließlich die Leitung des Geistes. Nun ist Hengel aber kritisch gegenüber der geschichtlichen Wirklichkeit, wie sie Johannes darstellt, und fragt, ob der Evangelist diese Wirklichkeit nicht doch zu Gunsten einer Deutung durch den Geist ein wenig umgeschrieben hat. Nein, sagt Benedikt, so ist es nicht. Diese fünf Quellen sind zwar richtig dargestellt, aber gerade was eine spätere Deutung der geschichtlichen Wirklichkeit (d) durch kirchliche Tradition (c) oder durch die Wirkung des Geistes (e) betrifft, so ist der Weg dazu klar und logisch und verfälscht die geschichtliche Wirklichkeit nicht. Es findet sich hierzu in den Evangelien mehrfach das Erlebnis der deutenden und verstehenden Erinnerung. Sie ordnet und erklärt das Erlebte, ohne es in seinem historischen Wahrheitsgehalt anzurühren.
Benedikt kann den Vorgang dieser verstehenden Erinnerung sehr lebendig und glaubwürdig schildern. Man liest diese Erklärungen aus berufenem Munde gerne, weil sie die immer doch auch als schmerzhaft empfundenen Zweifel der moderneren Theologie an den Berichten der vier Evangelisten relativiert. Ein starker Gestaltungswille im Kopf und Herzen des Berichterstatters muß nicht zwangsläufig dazu führen, daß er seinen Bericht im Widerspruch zur erlebten Wirklichkeit verfaßt.
Benedikt bewegt sich auf dem Boden der modernen Forschung. Er spricht ihre Sprache und kennt ihre Methoden. Aber er folgt ihr nicht in allen Punkten. Im Gegenteil, er greift in ihre Arbeiten mit der Souveränität eines Direktors ein, der einfach nur ein Stückchen weiter sieht als die Damen und Herren seiner nächsten Führungsebene und deren Vorlagen mit wenigen Strichen so korrigiert, daß am Ende ein besseres, ein stimmiges Ergebnis herauskommt. Er ist zwar besonders den evangelischen Kollegen gegenüber natürlich nicht weisungsbefugt, und trotzdem wirkt er an manchen Stellen wie ein Chef bei der Arbeit.
Schön ist sein Hinweis auf den "liturgischen Charakter" des Johannes-Evangeliums. Seine wichtigsten Ereignisse sind an die hohen jüdischen Festtage angebunden, sagt Benedikt, teils indem sie sich an einem von diesen Festtagen ereignen, teils - wie beim Hohenpriesterlichen Gebet in Johannes 17 - indem sie innerlich mit einem Fest (hier dem Versöhnungsfest Yom Kippur) verwandt sind.
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